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2.12.2017, es ist soweit. Um 19:34 verdunkelt sich das Bürgerhaus Hövelhof und aus dem Dunkel heraus hört man, wie vor der Bühne die Drones einer Solo-Pipe angeworfen werden.

Mit den ersten Tönen von "Dawning of the day" betritt Pipe Major Andrea die Bühne vor dem geschlossenen Vorhang und begrüßt im Licht eines Strahlers die fast 700 Zuschauer musikalisch. Es dauert nicht lange, da stößt Norina mit ihrem Dudelsack dazu und gemeinsam steigen sie in eine zweistimmige Version des alten irischen Stückes ein, während sich hinter ihnen langsam der Vorhang öffnet und den Blick auf 18 Piper und 10 Drummer freigibt, die sich schon auf der Bühne aufgestellt haben.

Dann setzen die Chanter der beiden Solisten aus und die Drones aller Piper ein. In die Drones hört man noch ein "Welcome on stage - the Highland Dragon Pipe Band", da setzten schon insgesamt 20 Piper auf der Bühne in die soeben schon gehörte Melodie ein. Das Stück steigert sich beim nächsten Durchgang, als mit dynamisch ansteigenden Rolls das Drum-Corps in die Musik einsteigt und die Zuschauer nun die geballte musikalische Power der Highland Dragon Pipe Band zu hören bekommen.

Es folgt direkt und ohne Unterbrechung noch das schöne Stück "At long last", bevor Jürgen und Markus das Verklingen der Musik nutzen um die Zuschauer zu begrüßen. In schneller Reihenfolge spielt die Band, unterbrochen von den Erklärungen der Moderatoren nun einige Stücke aus ihrem Repertoire. "Bonnie Galloway", "Music of Spey", "Bells of Dunblane" (in Erinnerung an den Amoklauf in Dunblane vor 21 Jahren), "Lord's Lovats Lament" und das in verschiedenen Taktarten (6/4, 5/4, 4/4) gespielte "Cullen Bay". Dazwischen spielte sich noch das Drum-Corps mit dem "Drum-Break-Set" in den musikalischen Vordergrund.

Etwas Abwechslung zwischendurch sollte sein, daher verließ die Band nach "Cullen Bay" die Bühne und nur Lukas Pryde (als Leading Drummer) sowie Andrea Heger (als Pipe Major) blieben zurück. Sie wurden kurz vorgestellt und ihre Aufgaben wurden beschrieben. Dann hatten sie die Bühne für ein Pipe/Snare-Duett für sich.

Den beiden folgte zur musikalischen Abwechslung die aus Piano/Keyboard (Ben), Geige (Vivien), Schlagzeug (Detlef), LowWhistle / TinWhistle (Lukas) und Gitarre (Markus) bestehende Musikgruppe, welche 2 schottische Jigs und das wunderschöne "Over the hills" präsentierte. Anschließend gehörte die Bühne wieder Andrea, die dem Publikum einen alten Piobaireachd darbot. Was ein Piobaireachd genau ist, wurde dem Publikum vorher erklärt. Es sollte auch nicht das letzte Mal sein, dass am Konzertabend ein Piobaireachd (die eigentliche, ursprüngliche Pipe-Musik) ins Programm einfloss.

"Wem ein Dudelsack zu laut ist, der kann zur Mietwohnung-tauglichen Small-Pipe greifen", erklärte Jürgen, woraufhin Thomas, Pierette und David eine Small-Pipe einlage brachten.

Nun wurde es wieder lauter: angeführt vom Drum-Major Johnathon kam die Band wieder auf die Bühne. Auf dem Programm standen nun "Amazing Grace" und "Castle Dangerous". Vor dem Pikeman's March, welche den irischen Aufstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts behandelt, übernahm die Musikgruppe mit dem gesungenen Stück "Rising of the moon", welches die Mobilmachung für den Aufstand beschreibt, die Bühne. Ohne Übergang ging es von dem Stück in den Pikeman's March über. Bevor nun mit "Highland Cathedral" (und Henri, dem jüngsten Spieler der Band, an der Solo-Snare) die erste Hälfte des Programms endete und die Zuschauer sich an der Theke ein kühles Bier holen konnten, kam einer der emotionalen Höhepunkte des Abends. Wolfgang und Wolfgang, zwei Pipe-Schüler unseres Pipe-Majors, traten vor. Sie wollten Andrea mit dem selbst eingeübten Stück "When the pipers play" überraschen und sich für ihren Einsatz im Anfängerunterricht bei ihr bedanken. Die Überraschung war ihnen gelungen und der Applaus des Publikums mehr als verdient.

Das Licht für die Pause ging nach "Highland Cathedral" an. Die Theke wurde geöffnet und die Besucher des Konzertes hatten Zeit, um sich Hannman's Whiskystand Whisky zu probieren, beim Stand von "House of Kilts" nach typischem schottischen Outfit Ausschau zu halten, sich bei "Mr. Mac's Fish & Chips" an den Fish & Chips zu stärken oder beim Stand vom "Little England" Waren aus Großbritannien einzukaufen.

Die 30-Minuten-Pause ging viel zu schnell vorüber, aber es war nötig, dass das Programm weiterging. Denn auf der Bühne musste nun ein kleiner Streit zweier Drummer, der hinter der Bühne angefangen hatte, musikalisch fortgesetzt werden. Detlef und Lukas duellierten sich an ihren Instrumenten, bevor es dann (mit dem gesamten Drum-Corps) mit dem Drum-Salut weiterging.

Die Band betrat im Anschluss daran wieder die Bühne. Es folgte mit der gesamten Band unser "Map-Tunes-Set", das Stück, mit dem wir bei Competitions teilnehmen sowie der aus der Serie "Outlander" bekannte "Skye Boat Song". Nach einem Ausflug in die klassische Opernwelt ("Green hills of tyrol") bedienten wir uns bei der Simon Fraser University Pipe Band. Vor 2 Jahren hatte diese Grade-1-Band in Glasgow auf einem Konzert das wunderschöne "Halleluja" von Leonard Cohen auf ihren Pipes interpretiert - dieses Stück stand nun, gemeinsam mit Ben am Keyboard, auf unserem Programm.

Eine kleine Gruppe an Pipern (unterstützt von Snare und Bass) trug nun das Medley vor, mit dem diese Gruppe in Zukunft an kleineren Miniband-Wettkämpfen teilnehmen möchte, bevor die Bühne einigen Solisten überlassen wurde. Ein gutes Dutzend Piper hatte sich bereit erklärt, Solo sein Lieblingsstück auf der Pipe vorzutragen. So gaben sich diese Musiker quasi die "Pipe in die Hand" und sprangen musikalisch von einem Solo-Stück zum nächsten. Das ganze endete im vierstimmig vorgetragenen "Anne's Marsch", bei dem schließlich auch alle Spieler der Band sowie das Drum-Corps wieder dazu stießen. 

Mehrstimmig ging es danach weiter: die Moderatoren forderten das Publikum nun zur Unterstützung auf. Der nächste Piobaireachd stand auf dem Programm: "MacKintosh's Lament". Zur Einstimmung erzählten die Moderatoren dem Publikum, dass diese Urform der Pipemusik nicht mit geschriebenen Noten, sondern mit einer Notensprache, weitergegeben wurde. Pipe-Major Andrea würde diese Notensprache für den anstehenden Piobaireachd vorstellen. Zur Unterstützung stellte das Publikum die Drones dar: die Männer die tiefe Bass-Drone und die Frauen die hohe Tenor-Drone. Gemeinsam mit Ben am Klavier wurden die lang anhaltenden Töne eingeübt und Andrea konnte beginnen.

Von dieser Vorstellung des Canntaireachd, der Notensprache, ging es unmittelbar über in die Aufführung des entsprechenden Piobaireachd. Dem traditionellen Stück folgte eine der potentiellen Nationalhymnen Schottlands "Flower of Scotland" und ein Set aus verschiedenenen 6/8-Märschen. Highlight dieses Sets war der Auftritt von Thomas Richard Lorenzen, Drum-Major der Grade-1-Band "Police Scotland Fife Pipes and Drums" und Marching-and-Discipline-World-Champion 2017, welcher die Musik mit seiner Drum-Major-Show optisch unterstützte.

Bevor es nun mit "Auld lang syne" zum Finale des Konzertes kam, wurden Pierette, Rüdiger und Thomas als Musiker der ersten Stunde der Band ausgezeichnet. Seit 15 Jahren sind sie dabei - Pierette und Rüdiger sogar seit der Gründung. Auch beim Pipe-Major Andrea bedankte sich die Band noch einmal mit einem Blumenstrauß. Die rührselige Szene wurde abgelöst von den ersten "Auld lang Syne"-Takten, gespielt von Ben am Keyboard. "Auld lang syne", das alte Abschiedslied wurde von Lukas und Markus vorgetragen. Nach einem Instrumental-Einschub (Geige, Gitarre, Keyboard) übernahm dann Andrea mit der Solo-Pipe und sorgte für den musikalischen Übergang zur Pipeband, die dieses wunderschöne Stück zum Abschied spielte. Nach einigen anschließenden, musikalisch untermalten Abschiedsworten begleitete Andrea die Band mit "Muss I denn" (bzw. "Wooden heart") von der Bühne. War das Konzert jetzt vorbei? Das Publikum applaudierte noch, als vom hinteren Ende das Laute Kommando "Pipes and Drums, by the center, quick march" erschallte und die Band in Zweierreihen durch den Mittelgang wieder nach vorne kam um sich vor der Bühne aufzustellen. Dort war eigentlich nur noch als Abschied "Scotland the brave" geplant - es gab aber noch zwei wichtige, kurze Programmpunkte. Zum einen gab es zwei Geburtstagskinder im Publikum, denen musikalisch gratuliert werden sollte. Außerdem ging in der Pause, nach der offiziellen Kartenauszählung des Gerücht um, dass wir 703 Karten verkauft hätten. Damit hatte Pipe-Major Andrea nicht gerechnet und deshalb im Vorfeld eine Wette angeboten: "Wenn wir 700 Karten verkaufen, spiele ich "Mull of Kintyre". So kam es dann auch noch zu diesem Solo-Stück.

Vom Publikum verabschiedet haben wir uns dann mit "Scotland the brave" - unter Applaus des Publikums zogen wir musikalisch von der Bühne rüber zur Theke, wo wir dann den Abend mit kühlem Guiness ausklingen ließen.


Das Publikum war ein voller Erfolg. Gerechnet hatten wir ursprünglich mit 400 Besuchern. In der Halle hatten wir am Abend fast 700 Besucher, denen es den Rückmeldungen nach auch gefallen hat. Uns hat es gefallen. Es war ein anstrengender, aber schöner Abschluss unseres Jubiläums-Jahres.

Bedanken möchten wir uns noch einmal bei allen Helfern des Abends vor, auf und hinter der Bühne, ohne die der Abend so nicht hätte stattfinden können. Bedanken möchten wir uns aber auch noch einmal bei den Zuschauern des Abends, die gekommen waren, weil unsere Musik ihnen gefällt. Danke! Wir hören und sehen uns hoffentlich wieder.


Fotos vom Abend finden Sie unter Medien -> Fotos bzw. unter Jubiläumskonzert -> Fotos. Dort befindet sich auch ein Gästebuch für Rückmeldungen zum Konzert, über die wir uns auch jetzt noch sehr freuen würden.

In Kürze gibt es unter dem Menüpunkt "Jubiläumskonzert" auch einige Videos vom Abend zu sehen.